Jeder Pinselstrich voll Glückseligkeit

„Eudaimonia“ – letzte Gemeinschaftsausstellung des Kunstvereins am Donsenhaug

Glücksgefühle hegen alle ausstellenden Künstler bei der Nacht der Poesie auf dem Kreuzberg. Die Laudatio zu "Eudaimonia" sprach Dr. Annette Roggatz (Vierte von rechts). Foto: Karin Nerche Wolf

15 Jahre lang durfte der Kunstverein in der Villa am Donsenhaug schönes kulturelles Leben gestalten. Jetzt blickte Vorsitzender Csaba Horovitz bei der Vernissage der letzten Gemeinschaftsausstellung in diesen Räumlichkeiten ein wenig zurück und zugleich nach vorn.

Der große Dank galt Dr. Hubert Büchs, der dem Kunstverein die Villa zur Verfügung stellte, nun aber andere Pläne habe. Intensiv laufe die Suche nach einem neuen Domizil, vorzugsweise in der Innenstadt, in einer Größe von rund 100 Quadratmetern. Für den Übergang wird außerdem ein trockener Raum von 30 bis 40 Quadratmetern gesucht, in dem das Inventar des Kunstvereins vorübergehend gelagert werden kann.

Mit einigem Stolz verwies Horovitz auch darauf, dass der Kunstverein mit viel Renovierungsaufwand aus der Villa ein Schmuckstück gemacht und in der Küche ein Kunst-Café eingerichtet habe. Pro Jahr waren rund zehn Ausstellungen zu bewundern, die Jugend habe einen Ort sinnvoller Freizeitgestaltung gefunden.

Horovitz machte darauf aufmerksam, dass die aktuelle Gemeinschaftsausstellung „Eudaimonia“, die bis zum 7. Januar zu sehen ist, von einem Extra-Programm begleitet wird, das kurzfristig in dieser Zeitung angekündigt wird. Zum Abschluss wird Inga Okan am 7. Januar einige ihrer Gedichte vortragen. Auch dann kehrt der Kunstverein der Villa noch nicht ganz den Rücken, denn vom 12. bis 21. Januar wird Regine Merz dort ein Schüler-Projekt präsentieren.

Welch anspruchsvollen Titel die Kunstvereinsmitglieder mit „Eudaimonia“ für ihre Gemeinschaftsausstellung gewählt hatten, verdeutlichte Laudatorin Dr. Annette Roggatz, indem sie auf den philosophischen Begriff des Aristoteles von Glückseligkeit einging. Dabei gehe es nicht nur um einen Zustand, sondern auch um den Weg und das Ziel.

Der wörtlich übersetzte gute Geist sei für einige Künstler greifbar gewesen in der Besinnung auf einen schönen Ort. Glück erlebte Maria Fetter bei der Nacht der Poesie auf dem Kreuzberg, Gerti Gerlach unter den Bäumen eines Cafés, Martin Flechsig beim Sonnenuntergang auf Sylt, Joachim Schild an einem Seestrand. In einer kraftvollen, graffitiartigen Abstraktion stellt Csaba Horovitz die permanenten Wechselwirkungen im Ringen um Glück dar, Vernunft und Gespür treffen in der Arbeit von Manfred Bockheiler „Ingenieure und Künstler“ aufeinander.

Oft steht dem Glück der eigene Dämon gegenüber, dem Richard Eisenhut in seinen Werken auf der Spur ist. Mit dem Konzept der Spirale geht Horst Hildmann an die Sache heran, Ludmilla Barwitzki bietet dem Betrachter ein Ideal. In abstrakter Form greift Helene Wollbach-Meyer verschiedene Aspekte auf, bei Ursula Cukic-Hartmann steht die Liebe im Zentrum ihrer Lebenslinien. Einen liebevollen, ganz genauen Blick wirft Inga Okan in ihren zarten Zeichnungen auf die Dinge, Christine Grösch bedient sich in ihren Arbeiten der Collage-Technik. Der Part des plastischen Gestaltens ist in dieser Ausstellung durch Christiana Diedrich vertreten.

Jeder Pinselstrich voll Glückseligkeit - so beschrieb Ursula Cucik-Hartmann in einem Gedicht die Gefühle, die das Tun selber schenken kann. Fazit: Wer sich mit dem Glück beschäftigt, erfährt etwas davon.

„Eudaimonia“, die Gemeinschaftsausstellung des Kunstvereins, ist bis zum 7. Januar samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr in der Villa am Donsenhaug zu sehen. Ausnahmen bilden Heiligabend und Silvester, an denen nicht geöffnet ist.

 

 

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